Selbstkritik oder Selbstabwertung – und warum dein Gehirn den Unterschied kennt
- Fabian Kosenitzky
- 23. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Herzlich willkommen zu bei „Selbstwertritter“. Schön, dass du dir heute wieder Zeit für dich nimmst.
Im letzten Beitrag haben wir darüber gesprochen, warum dein Selbstwert kein Leistungskonto ist. Heute gehen wir einen Schritt weiter – und schauen uns etwas an, das viele Menschen für hilfreich halten, das aber oft genau das Gegenteil bewirkt:
👉 Selbstkritik.
Oder genauer gesagt: Wo hört gesunde Selbstreflexion auf – und wo beginnt Selbstabwertung?
1. Warum wir glauben, Selbstkritik sei notwendig
Viele Menschen sagen Sätze wie:
„Wenn ich nicht streng mit mir bin, werde ich faul.“
„Selbstkritik hält mich auf Kurs.“
„Ich darf mir keine Fehler erlauben.“
Psychologisch ist das gut erklärbar. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Fehler zu vermeiden – denn früher konnten Fehler lebensgefährlich sein.
👉 Die innere kritische Stimme ist ursprünglich ein Schutzmechanismus.
Das Problem ist: Dieser Mechanismus unterscheidet nicht zwischen konstruktiver Korrektur und persönlicher Abwertung.
2. Was Forschung über Selbstkritik zeigt
In der Psychologie wird Selbstkritik seit Jahrzehnten untersucht. Eine wichtige Erkenntnis aus der Emotionsforschung:
🧠 Chronische Selbstkritik aktiviert dieselben Stresssysteme wie äußere Bedrohung.
Das bedeutet:
erhöhter Cortisolspiegel
Anspannung
innere Alarmbereitschaft
Studien zeigen: Menschen, die stark selbstkritisch sind,
❌ sind nicht motivierter
❌ leisten nicht nachhaltiger
❌ sind nicht erfolgreicher
Sie sind vor allem:👉 erschöpfter, ängstlicher und unsicherer.
3. Der entscheidende Unterschied: Verhalten vs. Identität
Hier liegt der Kern.
Gesunde Selbstkritik sagt:
✅ „Das hat nicht gut funktioniert.“
Selbstabwertung sagt:
❌ „Ich bin nicht gut genug.“
Psychologisch gesprochen:
Kritik am Verhalten ist lernförderlich
Angriff auf die Identität ist zerstörerisch
Wenn du beginnst, dich als Person infrage zu stellen, schaltet dein Gehirn auf Verteidigung – nicht auf Entwicklung.
4. Warum Härte kein Wachstum erzeugt
Ein spannendes Experiment aus der Motivationsforschung zeigt: Menschen lernen schneller und nachhaltiger, wenn sie sich innerlich sicher fühlen.
Das gilt für:
Kinder
Erwachsene
Führungskräfte
Spitzensportler
Wachstum entsteht nicht unter innerem Druck, sondern unter innerer Stabilität.
Oder anders gesagt:👉 Dein Gehirn lernt besser, wenn es sich nicht bedroht fühlt – auch nicht von dir selbst.
5. Wie du einen neuen inneren Umgang lernst
Hier ein paar konkrete Schritte:
💡 1. Benenne, was du kritisierst. Sprich über Verhalten, nicht über dich als Person.
💡 2. Achte auf deinen inneren Tonfall. Würde diese Stimme jemandem helfen – oder ihn lähmen?
💡 3. Ersetze Abwertung durch Verantwortung. Nicht: „Ich bin unfähig.“ Sondern: „Ich darf lernen.“
6. Ein Perspektivwechsel
Stell dir vor, du wärst Trainer:in deines eigenen Lebens. Würdest du jemanden mit Beschimpfungen besser machen –oder mit Klarheit und Respekt?
Fazit & Ausblick
Selbstwert wächst nicht durch innere Härte, sondern durch einen Umgang, der Lernen ermöglicht.
Im nächsten Beitrag sprechen wir darüber,👉 warum Vergleiche dein Selbstwertgefühl untergraben – und was Social Media damit zu tun hat.
Und vergiss nicht: Bleib bei dir.
Bis ganz bald - dein Fabian.
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